Die Digitalisierung geht auch am Campingplatz nicht vorbei

Rostock (dpa/mv) – «Urlaub in der Natur» lautet wohl der wichtigste Slogan, mit dem die rund 200 Campingplätze in Mecklenburg-Vorpommern werben. Doch naturnah heißt nicht technikfern. «WLAN gehört dazu», sagt der Sprecher des Landesverbands der Campingwirtschaft, Gerd Scharmberg.

Die Digitalisierung gehe auch am
Campingplatz nicht vorbei. «Wir müssen feststellen, dass viele Camper täglich ein oder zwei Stunden im Netz sind und arbeiten.» An dieser Entwicklung komme letztlich kein Betreiber vorbei.

Genau das hat Oliver Behrens vom Ostseecamp Rostocker Heide in Graal-Müritz schon vor ein paar Jahren gesehen. «In der heutigen Zeit ist online zu sein ein Grundbedürfnis, und Grundbedürfnisse müssen befriedigt werden.» Andernfalls wären die Gäste unzufrieden. «Wir mussten also vorsorglich handeln, die Bandbreiten reichten nicht aus.» Er investierte rund 60.000 Euro in einen eigenen Richtfunkturm, um keine Gäste zu verlieren. Der Turm empfängt nun das Signal aus dem nahen Ribnitz-Damgarten.

Netflix im Zelt

Es sei für ihn auch nur eine Frage von vielleicht drei oder vier Jahren, dann brauche man sich nicht mehr übers Fernsehen auf dem Platz zu unterhalten, sagt Behrends. «Dann will jeder auch im Zelt nur noch Netflix, Youtube oder andere Streaming-Dienste schauen.» Die Anforderungen an eine gute Netzanbindung kämen nicht nur von Kindern und Jugendlichen, die den Druck auf die Familien aufbauten. «Auch die Älteren verlangten einen schnellen Anschluss.»

Mit einer Rekordsaison im Rücken geht die Branche in die neue Saison, die an diesem Wochenende mit der Messe «Camping & Caravaning Rostock» eingeläutet wird. Der heiße Sommer hatte der Branche im Nordosten fünf Millionen Übernachtungen beschert.

Für den Präsident des Landestourismusverbands, Wolfgang Waldmüller, ist das kein Wunder, immerhin liege fast jeder Platz in See- oder Ostseenähe. Und die Betreiber seien innovativ: «Sie bieten den Gästen auch besondere Übernachtungsmöglichkeiten beispielsweise in Schlaffässern, Baumhäusern oder Lodges an oder halten attraktive Wellness-, Aktiv- und Kulturangebote parat.»

Unterschiedliche Vorlieben

Das kann Verbandssprecher Scharmberg bestätigen und zählt auf: Bestens ausgestattete Sanitäranlagen, teils mit eigenen Familienbädern, Sportbetreuung, Strandmassagen, Beauty- und Wellnesszonen, Boutiquen und eine gute gastronomische Versorgung. «Die Zeiten mit Kiosk und Bratwurst sind vorbei», sagt er.

Und gleichzeitig gebe es auch noch Gäste, die mit Zelt, Luftmatratze und einem Schlafsack ankommen und das Handy bewusst auslassen. «Es gibt auch Leute, die sogar vor dem Zelt schlafen.» Weil sie da der Natur noch näher sind. Doch die seien in der Minderheit. Viele wollten es doch gemütlich haben, fast wie im heimischen Wohnzimmer. Und so finden sich auf immer mehr Campingplätzen perfekt ausgestattete Mietzelte mit Vorzelten und Küchen.

Aber an der Tatsache, dass das Wetter für den Erfolg der Branche eine bestimmende Rolle spiele, komme kein Camper vorbei. Für Scharmberg ist aber klar: «Camper können eher mit Regentagen auskommen, sie sind trotz WLAN und Komfortzelten der Natur näher.»

Fotocredits: Patrick Pleul

(dpa)