Alexandria wurde von Kleopatra regiert

Große, imposante Metropolen sind oft Hauptstädte und erscheinen einem wie das stark geschminkte Mädchen von nebenan, welches in glitzernden, roten Lackstiefeln vorbei spaziert.

Alexandria liegt am berühmten Nil in Ägypten © Flickr/digital cat

Mit rot schürzenden Lippen knutscht sie dir entgegen und klimpert verführerisch mit den türkisfarbenen Augenlidern. Diese Mädchen sind meistens sehr schön – aber eben auch sehr anstrengend.
Afrika, der schwarze Kontinent, scheint da oft wie ein weiser, alter Mann, der den Rest der Welt milde belächelt. So wirkt auch Alexandria, die zweitgrößte Stadt nach Kairo im tiefen Norden Afrikas.

Alexandria ist eine stolze Hafenstadt, die am Delta des Nils an der Mittelmeerküste Ägyptens liegt. Circa 4, 3 Millionen Menschen betiteln sie als ihre Heimat, doch trotzdem fehlt hier der typisch metropolische Flair, der den meisten Weltstädten so zu eigen ist.
Die Farbe blättert von den Wänden, Neonröhren sind verblichen und Insektenverklebt, während das Salz an den Fassaden nagt und Häuser oft morsch, gar brüchig, geworden sind.
Niemand kümmert sich darum, niemand interessiert sich hier für diese Oberflächlichkeiten.

Es scheint, als würde Alexandria ihre einstige Königin Kleopatra leidenschaftlich vermissen, als verspüre sie innigen Liebeskummer und kann sich mit der neuen Zeit einfach nicht trösten.
Früher galt sie als sehr kosmopolitisch, zeigte sich koketierend und weltoffen, heute ist dem schon lange nicht mehr so, auch wenn sie gerne wollte.

Berühmt ist die zurückhaltende Stadt für ihre Bibliothek. Früher galt sie schon als die größte und berühmteste in der Antike, bis ein Brand bei der Invasion Cesars die wertvolle, unersetzliche Stätte beinahe zerstörte. Heute hat man längst wieder den Ehrgeiz, in diesen Räumen mehr als acht Millionen Bücher zu beherbergen, damit die zweihundert Angestellten auch genug Arbeit haben 😉 .

,,Wahrscheinlich wird sie immer einen Teil ihrer Geheimnisse bewahren.“, wird auf dieser Webseite ein Kommentar zu der verschwiegenen Stadt zitiert.
Alexandria ist zwar nicht das stark geschminkte Mädchen – dennoch sehr mädchenhaft, zierlich und trotzdem irgendwie… kratzbürstig.
Irgendwie wissend blickt sie auf ihre Besucher, gewährt ihnen nur einen klitzekleinen Einblick und gibt sich so, wie Afrika auch sonst ist: eben geheimnisvoll. Tief. Und gänsehauterregend bedrohlich.