Amsterdam: Coffeeshop und Cannabiskultur

Die Weltstadt Amsterdam gehört zu den beliebtesten Reisezielen in Europa. Ihr Wachstum verdankte sie dem blühenden Handel mit Heringen und Bier. Heute sind Fisch und Alkohol vergessen, es wird grün geraucht und verkauft.

Mit seiner im Vergleich zu anderen Nationen liberaleren Drogenpolitik sind die Niederlande zum Traumziel für viele Cannabiskonsumenten geworden. Was Opium in den Anfängen war, sind heute vor allem Marihuana und Haschisch. Aus dem versteckten Konsum im „Tea House“ entwickelten sich die ersten Coffeeshops, die bis heute für Zündstoff sorgen.

Amsterdam reguliert Opiumhandel

Im 19. Jahrhundert greifen die Niederlande erstmals in den Opiumhandel ein. Um Kriminalität und Gesundheitsrisiken einzuschränken, reguliert der Staat den Verkauf im indonesischen Kolonialgebiet und verpflichtet die Konsumenten zum Kauf der Droge aus niederländischer Produktion. Weitere Regelungen verabschiedete die Regierung 1919 mit dem Opiumgesetz, das bis heute in überarbeiteter Fassung vorliegt. Nach und nach ergründet die Wissenschaft die Wirkung von Drogen, dass zu einer Kategorisierung in harte und weiche Drogen führt.

 Erster Coffeeshop „Mellow Yellow“

Genau zu dieser Zeit, in den 70er Jahren, tritt Wernard Bruining auf den Plan. Mit seinem ersten „Tea House“, dem heutigen Coffeeshop, in Amsterdam wird er von den Anhängern der Cannabiskultur bis heute als „Vater der Marihuana Coffeeshops“ bezeichnet. Das „Mellow Yellow“, soviel wie „weiches, benebeltes Gelb“, soll jedoch mehr ein sozialer Club als ein Treffpunkt für exessives Kiffen gewesen sein. Laut Cannabis Culture soll es 2002 rund 850 Shops unter Bruinings Fittiche gegeben haben, genaue Zahlen gibt es allerdings nicht. Die Zahl dürfte sich allerdings mit der Einführung landesweiter Kriterien im Jahre 1991 verringert haben.

Regeln und anhaltende Diskussionen

In Form einer Dezentralisierung erhalten die Gemeinden vier Jahre später das Recht auf eine kommunale Coffeeshop-Politik. Sie können Lizenzen erteilen und entziehen, gleichzeitig dürfen pro Tag maximal 5 Gramm Haschisch ausgegeben werden. Aufgrund zahlreicher Drogentouristen aus Belgien und Frankreich sehen sich die Gemeinden Roosendaal und Bergen op Zoom gezwungen, 2008 sämtliche Coffeeshops zu schließen. Heute geht die Diskussion um den Zündstoff des legalen Drogenhandels und Konsums weiter. Im Inland brennt die Diskussion zwischen diversen Politikern, Coffeeshopbetreibern und -besuchern. Doch auch das Ausland sieht es nicht gern, wenn Touristen den Bestimmungen im Urlaub entgehen. Momentan ist geplant, nur noch Niederländer über 18 in Coffeeshops zu lassen. Hier ist das letzte Wort aber wohl noch lange nicht gesprochen.
Bild: Hanf/©flickr/elad abraham

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