Hongkong – „City of Life“

Jeder meint, sie zu kennen und sie beschreiben zu können. Die riesige, berühmte Metropole ist aus der modernen, westlichen Welt nicht mehr wegzudenken. Trendsetter, Studenten und Fans pilgern in die Großstadt, um sich vom Zauber färben zu lassen, den die Stadt diffus zu umschweben scheint.

Hongkong©Flickr/Allen

Hongkong ist ein Inbegriff für bunte, flatternde Bilder im Kopf, chaotisches Gewusel mit traditionellen Wurzeln und einer atemberaubenden, schnelllebigen Welt. „City of Live“ nennen ihre Bewohner sie deshalb auch, denn in dem Versuch, den Osten mit dem Westen zu vereinbaren, haben die Chinesen einen besonders schnellen Atem entwickelt, wenn es um Trends und technische Entwicklungen geht.

Doch eigentlich müsste sie korrekt ,,Sonderverwaltungszone Hongkong der Volksrepublik China“ heißen. Sehr unromantisch, sehr steif und überhaupt nicht zu dem jugendlichen Stil passend. Geographisch ist sie an der Mündung des Perlflusses angesiedelt, der direkt in das südchinesische Meer fließt. Und mit seinem Flughafen Chek Lap Kok sichert Hongkong sich als wirtschaftliches Zentrum ab, denn er ist der wichtigste in ganz Asien.

Und überhaupt Wirtschaft. Die gilt hier nämlich als die liberalste in der ganzen Welt. Wohlfahrt ist hier nur eine Behinderung, aber kein gern gesehender Gast. Krankenversicherung und Altersvorsorge – das sind unangenehme Dinge, genauso beliebt wie Fußpilz, um die sich jeder Chinese gefälligst selber kümmert. Doch das liberal ist im Grunde genommen nur ein Make-Up für das Gesicht der Stadt. Denn so tief mit seinen Traditionen und Ursprüngen verwurzelt, ist liberal eben gewissen Grenzen unterlegen. Beispielsweise werden alle Gebäude mit den Regeln des Feng-Shui gebaut. Das heißt, dass es einem Wolkenkratzer durchaus passieren kann, dass er einem Schweizer Käse gleicht, denn Löcher in den Gebäuden sorgen für einen freien Energiefluss.

Bevölerungszuwachsrate – muss ich wohl nicht erwähnen – schießt natürlich explosionsartig in die Höhe. Platzangst ist eine äußerst unpraktische Krankheit, denn Enge gehört zu Hongkong, wie das Sahnehäubchen auf den Erdbeeren. Geduld ist eine Tugend – besonders auf den Straßen unserer Weltmetropole, denn hier geht es nur im Schneckentempo voran. Zäh fließt der Verkehr dahin und ungeduldiges Hupen ist, als würde man verlangen, dass Honig so schnell wie Wasser fließt. Zu Fuß geht es auch nicht schneller. Hier heißt es, viel Zeit mitbringen, wer im Gewimmel nicht unter gehen möchte und auch noch irgendwann am angesrebten Ziel ankommen.

Da ist es interessant zu wissen, dass trotz all der unzähligen Menschen die Kriminalitätsrate sehr niedrig ist. Tradition wird hier eben besonders groß geschrieben und die Chinesen sind stolz darauf, sich als Volk mit Werten zu fühlen und zu betiteln. Die Achtung des anderen ist den Einwohnern sehr wichtig und wird auch ständig im Alltag zelebriert.

Und zu guter Letzt ist Hongkong auch die einzig internationale Stadt in ganz Asien. Stark am Westen orientiert ist es ihr wichtig, sich einen Platz am internationalen Geburtstagstisch zu sichern, um ein großes Stück vom Kuchen zu erhaschen. Nur irrt sie dabei nicht wurzellos auf ihren Wegen, sondern besinnt sich ihren Traditionen und früheren Werten. Das ist vielleicht auch eine der ganz großen Stärken dieser bunten, wild zirkulierenden Stadt.