Segeln – meine Erfahrung

Heute gibt´s mal keinen Tipp an sich, sondern einen klitzekleinen Reisebericht. Ich bin nämlich zum ersten Mal segeln gewesen -und habe dabei erstaunliches entdecken dürfen.

Segeln - keine einfache Sache! Flickr/oliverlindner

Segler sind ein Volk für sich. Das fängt schon im Hafen an: Eine verschworene, kleine, in sich geschlossene Gemeinschaft, sehr freundlich und hilfsbereit. Wir ankerten direkt neben einem Charterboot und ein Fräullein stöckelte wohl zum ersten Mal über den Steg, hinter sich einen Bollerwagen voll mit Reiseutensilien herziehend.
Plötzlich wehte ein herzzerreißendes Wimmern über die Meeresoberfläche:

Der Bollerwagen ist halb im See gelandet, Reiseutensilien schwammen kümmerlich auf der Oberfläche oder verschwanden schon im schwarzen Schlund des Meeres. „Oh Nein, Oh nein!“, wimmerte das Kätzchen und alsbald stromten einige Herren mit langen Haken herbei, um die letzten Sachen aus dem Wasser zu fischen. Der Mann des Kätzchens kam herbei getaumelt, mit Händen an die Wange gepresst und sah mit rosigen Wangen und einem tiefen Stirnrunzeln nicht sehr erfreut aus. Beide wirkten ansonsten seriös, waren gut angezogen, sehr höflich und adrett. Ich bestaunte die hübsche Dame und dachte mir im Stillen, hach, so adrett, so wär ich ja auch gern mal.

Abends dann saßen wir bei Kerzenschein unter einem sternenbedeckten Himmelszelt, als es nebenan fürchterlich zu zetern begann: „Mach dir dein scheiß Brot doch selbst!“, tönte das adrette Fräullein von nebenan plötzlich. Der Mann murmelte etwas unverständliches.
„Finde ich total hinterfo*tzi*g von dir!“, keifte sie weiter, woraufhin der Mann mit hochgezogener Augenbraue erwiderte: „Bleib doch mal sachlich!“
Mein Vater, ein eingefleischter, sich auskennender Segler seufzte nur. „Das ist ein schlechtes Omen für eine Reise“ und beklommen stellten wir morgens fest, dass die beiden noch mitten in der Nacht heimlich abgelegt hatten.

Segler sind abergläubisch, es gibt viele, die unter derartigen Vorzeichen niemals die Segel hissen würden. Kann ich auch gut verstehen, denn wenn du dich mit deinem Segelpartner schon vor Beginn der Reise nicht verstehst, wird es währenddessen schwierig werden. Tagelang auf See zu sein und dabei auf engstem Raume mit dem Partner aushalten „zu müssen“: Daran scheitern sehr viele Ehen!

Wer segeln möchte, sollte sich über solche Kleinigkeiten im Klaren sein. Es ist eine große Herausforderung, denn beide Partner müssen als Team funktionieren und dürfen sich nicht wegen grundsätzlicher Männer-Frauen-Probleme an die Gurgel springen. Übrigens: Wusstet ihr, dass auf See jährlich ständig einsame, hilfose Ehefrauen gerettet werden, die allein auf einem Segelboot auf dem offenen Meer umher treiben?! Das passiert, weil die Ehegatten von Bord gegangen sind… ob nun gesprungen, geworfen oder gefallen, DAS lasse ich jetzt einmal offen so stehen 😉 . Mehr zum Thema Ehe gibts auch auf diesem Blog.

Wie übrigens unsere eigene Reise verlief, davon berichte ich euch beim nächsten Mal! 🙂

1 comment

  1. Fjord

    Das Schlimme ist: Wenn du mit einem erfahrenen Segler auf einem Boot bist, weiß der genau, wie er dich nasskriegt. Meist mit den einfachen Worten „Kannst du da mal mit anfassen!“ 😉