Teheran ist die Hauptstand des Iran und schon lange nicht mehr so konservativ, wie allgemein erwartet wird

Und wieder betrete ich mentales Minenfeld, indem ich mit euch zum fernen Iran – zumindest gedanklich – marschiere. Aber keine Bange, auch in einer, global gesehen, wütenden Stadt wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Teheran©Flickr/Hamed Saber

Denn auch der Iran ist ein Land, welches die meisten wohl nur aus den bedrückenden Abendnachrichten kennen dürften. Dabei ist seine Hauptstadt eine ziemlich entrückte, irgendwie niedlich, trotz allem. Oder vielleicht genau deshalb?
Denn was die Nachrichten nicht können, schafft der subtile Eindruck allemal: bewahrheiten.

Ca. 14 Millionen Einwohner leben in Teheran, welche im Iranischen Hochland liegt. Die Stadt hat mit Krieg im Grunde genommen nur wenig gemein, im Gegenteil. Trotz vieler Katastrophen, einer vorgetäuschten Strenge und einer nicht ernst genommenen Konservativität, ist sie eher der lustige Verschnitt unter den Städten. Die Stadt, die sich selbst nicht zu wichtig nimmt und über sich selbst lachen kann.

Dabei hatte sie eigentlich bisher nur wenig zu lachen. Sie wurde auf wackeligem Boden gebaut: Genau hier treffen nämlich die Indisch-Australische und die Arabische Kontinentalplatte auf die eurasische und mehrmals im Jahr verursachen sie dadurch leichte Erdbeben. Am 27. März 1830 war das Erdbeben so stark, dass es die ganze Stadt zum Einstürzen brachte. Diese Katastrophe forderte mehr als 45. 000 Menschenleben.

Aber nicht nur der Boden ist wackelig, auch der Verkehr hält sich an keine Regeln. Autos drängeln sich beulend auf den zu engen Fahrspuren und gefahren wird dort, wo Platz ist. Und was nicht passt, wird eben passend gemacht. Das sieht auch im Norden der Stadt, der nobleren Gegend, nicht anders aus. Hier ist es auch schon (fast) vorbei mit strengen Regeln und religiösen Zwängen. Das Kopftuch wird zu einem trendigen Accessoir, ist in vielen Neonfarben erhältlich und prangt auf den bunt geschminkten Mädchenköpfen. Es gibt FlipFlops, gegelte Haare und Kleidchen. Alles kein Problem.

Doch Teheran ist die ,,verbotene Stadt“, wie sie augenzwinkernd genannt wird. Alles, was nach Spaß aussieht, wird vertuscht. Jugendliche treffen sich nicht in Discotheken oder in Café´s, sondern in Autowaschhäusern, wo sie sich heimlich zum Beschnuppern treffen. Hier wird dann auch mit illegal gebrannten CD´s gedealt. Gedealt wird auch mit Alkohol: ,,Die Kuh gibt keine Milch mehr!“

Aber die Metropole ist leider auch eine wertlose. Niemand interessiert sich für die Einhaltung von Gesetzen. Eltern erziehen ihre Kinder so, dass sie geschickt lügen und schon früh lernen, unbequeme Regeln zu umgehen. Deshalb haben viele auch mehr vor einem Bürgerkrieg Angst, als vor den Amerikanern. Doch trotzdem würde ich diese Stadt irgendwie jedem ans Herz legen wollen, einfach, weil sie so ganz anders als jede andere ist. Weil sie sich abhebt, weil sie sich ziert, weil sie temperamentvoll, streng und zerreißend ist.