Abenteuer für Küstenfans: Eine Nacht im Schlafstrandkorb

Timmendorfer Strand – Es knirscht ein bisschen im Bett. Der feine Ostsee-Sand hat sich seinen Weg unter die Decke gebahnt. Kein Wunder, das Bett befindet sich direkt am Meer – in der Lübecker Bucht am Timmendorfer Strand.

Hier können Besucher in einem Schlafstrandkorb übernachten. Auch wenn sie die Füße abwischen oder kurz an der Stranddusche abspülen – ein paar Schritte über den Strand müssen sie dennoch gehen. Und so landet etwas Sand im Bettlaken.

So richtig schlimm ist das nicht, denn die Aussicht ist traumhaft. Ganz vorne, weit vor jedem Hotelbalkon steht der gut zwei Meter lange und 1,30 Meter breite Strandkorb. Er erinnert an ein Cabrio mit einem Riesenverdeck. Man kann es komplett aufklappen, aber auch ganz schließen. Damit niemand reinschaut, mitten in der Nacht. Und damit es nicht hineinregnet.

Von innen kann man rausschauen – durch kleine Bullaugen rechts und links am Kopfende und ein großes aus stabilem Kunststoff im Verdeck. Da sieht man: Normale Strandkörbe mit rot- und blau-weiß gestreiften Polstern, die Strandbar, die Seebrücke. Und ganz viel Meer. Dieser Abschnitt der Ostsee in Schleswig-Holstein heißt «Badewanne Hamburgs». Das Wasser bleibt hier lange flach, und die Wassertemperaturen laden zeitig zum Schwimmen ein. So können Besucher im Sommer vor dem Schlafengehen noch etwas planschen.

Zum Strandkorb gibt es Schlüssel für die Vorhängeschlösser am Verdeck und die blaue Kiste nebenan. Sie ist Nachttisch, Kleiderschrank und Aufbewahrungsort für Klappstühle in einem.

Besucher können ein Abendessen oder ein Frühstück hinzubuchen. Beides bekommt man in einem großen Filzkorb direkt ans Bett geliefert, mit Stoffservietten, Gläsern, Geschirr und Besteck. Edel. Und lecker. Zum Abendessen gehört eine Flasche Wein, Käse, Obst und allerlei Knabbereien. Wem das nicht reicht, der hat die Promenade von Timmendorf direkt im Rücken. In wenigen Schritten erreicht man die Fußgängerzone mit zahlreichen Restaurants.

Strandkorbvermieter Marcus Bade händigt seinen Gästen noch einen weiteren Schlüssel aus: Der sperrt die geräumige und saubere Toilette auf. Sie ist nur ein paar Meter vom Schlafkorb entfernt. Im Strandkorb liegt ein kleines Licht bereit. Die meisten Handys haben aber auch eine Taschenlampen-Funktion, daher dürfte der Weg in der Dunkelheit wohl das kleinste Problem sein. Apropos Handy – wer will, kann im
Schlafstrandkorb sogar online gehen. Denn am Timmendorfer Strand gibt es flächendeckendes WLAN.

Der Timmendorfer Strand ist längst nicht der einzige Ort im Norden, an dem Schlafstrandkörbe stehen. An der Ostsee gibt es inzwischen 18 Exemplare zwischen Fehmarn, Eckernförde und Timmendorf. An der schleswig-holsteinischen Nordsee stehen die gemütlichen Körbe in Simonsberg an der Husumer Bucht, in Büsum und auf der Insel Föhr. Zudem gibt es an der niedersächsischen Nordsee mehrere Körbe, in Dangast, Esens-Bensersiel und auf der Insel Norderney.

Wie und zu welchem Preis die Körbe vermietet werden, ist an jedem Ort ein bisschen anders. Mitunter gibt es echtes Camping-Feeling wie etwa in Timmendorf, wo die Dusche kühl ist und die Toilette einige Meter entfernt. An anderer Stelle steht der Korb gleich auf einem Campingplatz in unmittelbarer Strandnähe. Auch mancher Hotelier hat in eine solche Outdoor-Schlafgelegenheit investiert und bietet mehrtägige Pakete an. Zusätzlich zum Hotelzimmer ist dann auch eine Nacht im Strandkorb dabei – etwa in Scharbeutz oder in Grömitz. Das gilt dann als Abenteuer mit doppeltem Boden.

Die rund 5000 Euro teuren Sonderanfertigungen sind das Ergebnis eines Marketing-Workshops der Tourismus Agentur Schleswig-Holstein.

Eines steht jedenfalls fest: Ein Kingsize-Boxspringbett ist der Schlafstrandkorb nicht. Aber für eine Nacht ist er ein Erlebnis. Auch bei Regen und Wind hält die Haube so einiges aus. «Die ist 200 Prozent wasserdicht», sagt Vermieter Bade. Genug Decken und Kissen hat er auch in die Schlafhöhle gelegt. Und wenn die Sonne ganz früh aufgeht und sich der Himmel über der Lübecker Bucht verfärbt, spielt auch der Sand unter der Decke keine Rolle mehr.


(dpa/tmn)

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