Hamburger Flughafen wieder in Betrieb

Hamburg – Der Hamburger Flughafen hat nach dem folgenschweren Stromausfall seinen Flugbetrieb wieder aufgenommen. Kurz nach 6.30 Uhr landete eine erste Maschine der Fluglinie Pegasus aus Antalya auf dem Rollfeld in Hamburg-Fuhlsbüttel, wie eine Sprecherin mitteilte.

Von Normalbetrieb war der
Flughafen aber noch weit entfernt: Mindestens 12 Landungen und 23 Starts der jeweils 214
geplanten Starts und Abflüge wurden gestrichen.

«Das war eine Ausnahmesituation», sagte Flughafensprecherin Katja Bromm mit Blick auf den kompletten Stillstand am Sonntag. Der Flugverkehr sei jetzt durcheinander. «Das wird sich aber im Laufe des Tages spürbar normalisieren.»

Bei den Flugausfällen können betroffene Passagiere nicht auf Ausgleichszahlungen nach EU-Recht hoffen. «Da werden die Airlines drum herumkommen», sagt der Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover. Ein solcher Vorfall sei als außergewöhnlicher Umstand zu betrachten – und dann ist eine Fluggesellschaft von der Zahlung befreit. Wird ein Flug annulliert oder verspätet sich um mehr als drei Stunden, steht Passagieren laut EU-Fluggastrechteverordnung eigentlich eine Entschädigung zu. Je nach Flugdistanz sind das 250 bis 600 Euro. «Die wird hier nicht zu zahlen sein», so der Jurist.

Allerdings ist eine Fluggesellschaft verpflichtet, für die Passagiere eine alternative Beförderung zum Zielort zu organisieren, etwa einen Ersatzflug oder eine Bahnfahrt. Und sie muss ihre Gäste bei Bedarf in einem Hotel unterbringen. Wenn die Airline sich nicht kümmert, könne ein Passagier sich eigenhändig eine Ersatzbeförderung organisieren, so Degott – und die Kosten der Fluggesellschaft in Rechnung stellen. Denkbar sind Auslagen für Taxifahrten zum Bahnhof, Bahntickets und Ersatzflüge zum Urlaubsziel.

Bei einer Pauschalreise ist der Reiseveranstalter in der Pflicht. Er muss den Urlauber auf alternativen Wegen ans Ziel bringen. Geht durch die Verzögerung wertvolle Zeit am Urlaubsort verloren, lässt sich nachträglich der Reisepreis anteilig mindern.

Die Flugausfälle am Hamburger Flughafen sind die Folge eines Stromausfalles, der am Sonntag durch einen Kurzschluss verursacht wurde. Der Betrieb am Airport wurde dadurch lahmgelegt. Mit Hochdruck hatten Experten daran gearbeitet, den Fehler zu beheben.

Der Kurzschluss in der Stromversorgung ist auf einen Materialschaden an einem Kabel zurückzuführen. Das teilte der Flughafen am Montag mit. «Grund für den Stromausfall ist eine schadhafte Isolierung an einem Kupferkabel.» Dieser Schaden habe zu einem heftigen Kurzschluss geführt, der zahlreiche benachbarte Kabel einbezogen habe.

Der Kurzschluss entstand den Angaben zufolge in der Stromversorgung des Blockheizkraftwerks des Flughafens. 42 Kabel auf 540 Metern Länge seien ausgetauscht worden. Anschließend habe das Blockheizkraftwerk von 3.00 Uhr an am Montagmorgen wieder stabil zur Verfügung gestanden.

Wegen des stundenlangen Stromausfalls hatte der Flughafen seinen Betrieb am Sonntag eingestellt. Dazu sehe man sich gezwungen, teilte das Unternehmen
auf Twitter mit. Tausende Passagiere hatten stundenlang teils vor dem Gebäude ausgeharrt, in der Hoffnung, doch noch abfliegen zu können. Von den Flugausfällen dürften nach Angaben des Flughafens mehr als 30.000 Passagiere betroffen gewesen sein. Allein rund 30 Flüge wurden auf andere Flughäfen umgeleitet, nach Bremen und Hannover.

Nach der Ankündigung, dass keine Flüge mehr starten würden, waren am Sonntag viele Reisende heim oder ins Hotel gefahren. Der Flughafen und das Deutsche Rote Kreuz stellten auch Feldbetten im sogenannten Terminal Tango auf. Knapp 180 Passagiere machten nach DRK-Angaben von dem Angebot Gebrauch. «Für die Kinder ist das eine besondere Aufregung», sagte DRK-Einsatzleiter Ralf Bloß am Montagmorgen. Mit vier Kollegen war er die ganze Nacht im Einsatz. Am Sonntag seien es zusammen mit Ehrenamtlichen mehr als 40 Helfer gewesen.

Der Hamburger Airport ist mit jährlich mehr als 17 Millionen Passagieren nach Angaben des Flughafenbetreibers der fünftgrößte in Deutschland. An normalen Tagen gibt es rund 200 Starts sowie 200 Landungen.


(dpa)

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