Weihnachten und Sylvester im Schwarzwald

Das Fest der Liebe steht drohend vor der Tür; allmählich wird’s knapp, um noch Weihnachtspläne zu machen. Zu knapp für mich? Bestimmt nicht. Immerhin halte ich den Weltrekord im „In letzter Minute bei A absagen und mit B feiern gehen“. Botaniker würden mich als treulose Tomate bezeichnen, ich selbst nenne dieses Verhalten flexibel. Habe mich dementsprechend gestern Abend endlich entschieden, wohin’s über Weihnachten und Sylvester gehen soll: In den Schwarzwald. Wer mit dieser Region bloß die merkwürdigen Uhren assoziiert, ist zu bedauern – immerhin verbrachte hier schon in den Zwanzigern des vergangenen Jahrhunderts Ernest Hemingway seinen Angelurlaub, wenn ihn die Schriftstellerexistenz in Paris allzu sehr stresste. Danach legte der Schwarzwald sich freilich ein biedermeierliches Image zu, das er bis heute nicht mehr ganz los geworden ist. Das ist einerseits ein wenig peinlich, wenn man coolen Bekannten erklären möchte, wo man den Jahreswechsel begeht. Andererseits wirkt es sich auf die Preise aus – wie ich aus persönlicher Erfahrung zu berichten weiß, sind schnieke Ferienhäuser für ein oder zwei Wochen zu durchaus erschwinglichen Preisen (wir zahlen 2.500) zu bekommen – die meisten Immobilien haben fünf und mehr (Doppel-)Schlafzimmer. Das Schöne an Weihnachten im Schwarzwald ist, dass man die Playstation eigentlich zuhause lassen kann: Es liegt fast immer Schnee. Weniger schön ist das permanente Glatteis auf nicht-gestreuten Höhenstraßen; da können Autos über Nacht auch mal über den Parkplatz rutschen. Dass das die Ausnahme ist, interessiert einen nicht, wenn der eigene Corsa einen fetten Kratzer davon trägt. Ein weiterer – und: der ausschlaggebende – Vorteil daran, Weihnachten im Schwarzwald zu verbringen, ist für Weihnachtsverachter wie mich der Umstand, dass der ganze Feiertagsstress außen vor bleibt. Auf den Hütten gibt’s keinen Weihnachtskitsch, hier muss noch Holz gehackt werden. Zum Glück. Geschickterweise sollte man sich, auch wenn man misanthropische Züge hat, ein paar Freunde mitnehmen; wenn sie allzu sehr nerven, kann man ihnen ja Schnee ins Bett kippen. Übrigens lässt sich im Schwarzwald auch gut, Schneeschuwandern, Ski fahren; Snowboard ebenfalls. Wobei ich eher zu halsbrecherischen Schlittenfahrten zu dritt neige …

3 comments

  1. Leider ist es tatsächlich so, dass der Schwarzwald eher mit Wandern in Verbindung gebracht wird. Aber gerade die Region hier (Hochschwarzwald) tut viel, um auch in Zukunft etwas bieten zu können (Spaßbad, Kletterpark, Golf, Ski). Und die Preise sind inzwischen echt annehmbar. Auch Schnäppchen sind möglich (z.B. verscherbeln die Hotels nicht gebuchte Zimmer inzwischen auch in eBay).

  2. Der Schwarzwald hat inzwischen richtig viel zu bieten. Von Geocaching über Golf bis Fliegenfischen. Und in der Wirtschaftskrise ist es auch ein interessantes Ziel.