Pune als Geheimtipp für die Weltwirtschaftskrise

Alle Welt spricht im Moment über Mumbai. Auch ich habe ja bereits zweimal über die Terror-Anschläge berichtet. Dabei ist das nicht das einzige Gesicht Indiens, die Metropole hat noch eine kleine Schwester: Pune.

Auch Pune ist eine millionenschwere Großstadt im bunten Indien. Sie beherbergt mittlerweile mehr als fünf Millionen Einwohner und erfreut sich einer stetigen Zuwanderung – typische Landflucht, wie sie in beinahe jeder Weltmetropole herrscht. Der große Traum der unbegrenzten Möglichkeiten.

Berühmt ist die Stadt vor allem aufgrund der extremen Automobilindustrie, die hier die größte und wichtigste ganz Indiens ist. DaimlerChrysler ist uns allen ja sicherlich ein Begriff – einer der erfolgreichsten Automobilvertreter hat sich in den Schoß Punes gelegt. Hier warm und trocken gebettet, zieht der Konzern die ausländischen Studenten magisch an, wie das Licht die Motten.

Die eher unscheinbare städtische Gestalt Pune kam zum ersten Mal in den 70er Jahre in Verrufung: Damals hieß die Stadt noch Poona und förderte die Bhagwan- bzw. Osho-Bewegung zutage. Massenweise strömten und pilgerten Menschen aus aller Welt in die Stadt, um eine spirituelle Erfahrung zu machen, sich in den Strom der Gläubigen mit einzufädeln. Die Spiritualität war seltsamerweise irgendwie beinahe nur in öffentlichen Sexpraktiken zu finden und rauschhaften Zuständen, die die Gottheit provozieren sollten. Heute nennt man das ,,Drogen“. Ach, und Sexbesessenheit. Auch das ist heute eine anerkannte Krankheit, die behandelt werden kann 😉 . Aber wie war das? Alle Welt redet über Mumbai. Dabei sind es doch immer die stillen Wasser, die tief sind.

Pune ist des Weiteren berühmt für seine Stromausfälle. Zusammenbrechende Energieversorgungen sind an der Tagesordnung und gehören zum Alltag wie das Frühstücksmüsli. Dabei geht die Stadt besonders rustikal vor: Wenn ein Konzern zuviel Strom verbraucht, bekommt er Straftage aufgebrummt. Einmal in der Woche muss der Ofen dann aus bleiben. 24 Stunden lang darf nicht einmal der Lichtgeschalter gedrückt werden.

Trotzdem lohnt sich die Stadt, auch für den tiefen Griff in den Geldbeutel. Immobilien werden zu Spottpreisen verscherbelt, weshalb der Lohn in dieser Stadt auch dementsprechend dünn ist. Doch im Zuge der Weltwirtschaftskrise legen Kritiker scharfsinnigen Geschäftsmenschen genau diese Stadt ans Herz. Hier würde die Zukunft begraben liegen, die man mit kräftigen Armen und einem guten Spaten wieder hervor schaufeln könnte.

Ich finde das Image der Stadt einfach absolut interessant. Es ist ein bisschen so, als würde sich das nette Mädchen mit der Hornbrille und den geflochtenen Zöpfen von nebenan plötzlich Netzstrumpfhosen und Lacklederstiefel anziehen, im nächsten Atemzug aber ein geschäftliches Gesicht aufsetzen, am großen Tisch der finanziellen Möglichkeiten mitpokern, den großen Pott gewinnen und sich dann seufzend zurück lehnen. Ein paar neue Kleider gekauft, ein hübsches Möbelstück. Und plötzlich versucht sie wieder das nette Liesl von nebenan zu sein, grinst lieblich und sanftmütig, wie das Lämmlein auf der Wiese und wir denken an gar nichts Böses, wenn wir in diese bunte, asiatische Welt hinab tauchen, in der die Bürger besonders freundlich und das Wetter besonders heiß ist. Eine spannende Mischung, wie ich meinen würde 😉 .

1 comment

  1. Nicole

    Das Gleichnis am Ende ist wirklich der Knaller. Fünf Sterne und einen im Gedächtnis!! 😉

    Viele Grüße
    Nicole