Tokio

Tokio – eine Stadt des Lächelns, scheint dem Erdboden gleichgemacht worden zu sein.

Tokio Flickr/themonnie

Tokio ist eine atemberaubende Stadt. Pulsierend, schnell und waghalsig zog sie immer viele Touristen an und bot viel zu entdecken. Ob man nun Schlangenblut trinken oder günstig shoppen gehen möchte, Abenteuer und Luxus all inklusive – und das für zumeist wenig Geld.
Nun ist alles anders.

Gestern war das einzige Problem der verdammte verpasste Bus zur Arbeit oder der verdorbene Fisch vom Straßenmarkt. Man hat sich über den Nachbarn geärgert oder im Hinterhof geknutscht. Einer hat in der Bahn gelesen, der andere hat für seine Großfamilie gekocht. Tokio ist eine warmherzige Stadt, voller Weisheit und Güte. Und während all dies geschah, konnte niemand ahnen, dass schon bald ein Erdbeben die Stadt erschüttern und auseinander reißen würde wie ein Kaugummifaden, der überstrapaziert wurde.
Und niemand konnte ahnen, dass sich danach noch einmal das Meer auftürmen und wie eine dunkle Wand über das Land rollen würde.

Einige Stunden vorher pulsierte die Stadt ganz normal, nichts ließ auf derartiges schließen. Und nun das. Eine Stadt fiel in wenigen Stunden zu einem Trümmerhaufen zusammen. Und ganz egal, wie sich die Atomgeschichte in Japan entwickeln wird – Tokio ist ein großer, schmerzender Verlust in der Seele Japans. Es wird lange dauern, bis die Stadt wieder einigermaßen hergestellt sein wird und auch dann wird man überall noch leckende, eitrige Wunden entdecken, die weh tun, weh tun, weh tun.

Heute zogen tausende von Demonstranten durch viele Städte, demonstrierten gegen Atomkraft. Ich sage: Konzentrieren wir uns lieber auf die Menschen in Japan. Kümmern wir uns um sie, bis alle genug Luft zum Atmen und wir wieder Zeit dafür haben, uns um uns selbst zu kümmern. Auch dieser Blog schrieb darüber.