Plädoyer für das Fahren mit dem Zug

Auch wenn ich kein Fan der Deutschen Bahn bin, liebe ich doch das Zugfahren. Besonders meine Reisen in Regionalzügen sind die besten. Warum? Ganz einfach, man erlebt die spannendsten Geschichten und lernt die interessantesten Menschen kennen. Zu Beginn darf man sich nur nicht darauf einstellen, irgendetwas während der Reise erledigt zu bekommen, das ist utopisch. Babygeschrei, Sitzplatzmangel und ein lautstarkes Sprachengewirr machen ein konzentriertes Lesen unmöglich. Auch um schlafen zu können muss man eine wirklich große Unempfindlichkeit gegenüber Koffern am Schienbein, Handygeklingel, Zugluft und Hundeschnauzen besitzen. Aber warum schlafen, wenn man auch Kontakte knüpfen kann?
Ich fuhr letztens per Wochenendticket quer durch Deutschland und hatte über acht Stunden volles Programm. Meine Mitfahrerinnen, die ich über das Internet gefunden hatte, waren mir auf Anhieb sympathisch und wir quatschten, als würden wir uns schon ewig kennen. Am Ende der Fahrt kannte ich alle ihre Lebensgeschichten und hatte drei Freundinnen in Berlin mehr. Aber nicht nur diese tollen Menschen lernte ich kennen: Gegen Ende der Fahrt trafen wir auf einen Studenten mit Gitarre, der sofort nur Augen für eine der Mitfahrerinnen hatte. Sie brachte ihn tatsächlich dazu, uns etwas auf seiner Gitarre vorzuspielen und so bekamen wir bis Berlin ein Live-Konzert gratis. Das Rattern der Regionalbahn wurde von Eric Clapton Songs untermalt – man konnte es schon fast als romantisch bezeichnen. Durch das Gitarrenspiel wurde wiederum eine ältere Dame auf den Studenten aufmerksam und warb ihn für die Geburtstagsparty ihrer Schwester am kommenden Wochenende an. Wenn das nicht ein grandioses Beispiel für das Schneeballprinzip ist! Alles in allem war es wirklich eine interessante und amüsante Fahrt. Dass mich die ganze Fahrt nur acht Euro gekostet hat, sollte ich vielleicht auch noch erwähnen.

2 comments

  1. konstantin

    … vor ein paar monaten war ich mit ein paar freunden im nachtzug von wien nach koblenz unterwegs. im abteil wars höllisch heiß, und ich wollte ein fenster öffnen – habe versehentlich an der notbremse gezogen. wir standen, mitten im wald, irgendwo in bayern, und ich musste dem schaffner erklären, dass ich bloss das fenster aufmachen wollte … arrgghhh. aber, um auf deinen artikel zu kommen – man erlebt auf jeden fall etwas! 😉

  2. Ariane

    Ja, man erlebt echt was.. einen 5-stündigen Zwangsstopp wegen „Personenschaden“ hatte ich zuletzt, oder auch ein spannendes „mitten in der Pampa aussteigen, weil Lok defekt“ – fast schon zuviel Erlebnis für mich, das spar ich mir dann doch lieber für den Erlebnisurlaub auf 😀