Reisebüro bei Nacht: Anbieter nutzen Feierwütige aus

Wer kennt das nicht? Man sitzt mit guten Freunden des Nachts zusammen, genießt eine Flasche Wein – oder vielleicht sogar schon die zweite? 😉 – und bekommt auf einmal Reisefieber.

Auch dieser Blog hat es schon heraus gefunden: Die Reisebüros auf einschlägigen Partymeilen. Die gibt es nämlich nicht nur in Hamburg, sondern auch viele andere Städte haben erkannt, dass junge Menschen öfter im Rausch unter einem Palmenwedel liegen wollen, als würden sie gerade mit Jacket und Krawatte im Büro sitzen.

Alkohol lockert nicht nur die Zunge, sondern eben auch den Geldbeutel. Außerdem erscheint einem mit entsprechenden Alkoholpegel alles wie unter einem Weichzeichner und auf einmal bekommt man wieder Lust, die Welt zu erobern, ein Tarzan zu werden oder ein Strandfläzer, der sich die Sonne auf den Bauch scheinen lässt. Und wenn dann auch noch ganz zufällig ein großes Reisebüro um die Ecke ist, na dann, dann ,,soll es wohl so sein“. Das Schicksal hat einem ein Zeichen gesandt. 😀

Eigentlich ist es ein irgendwie makaberes Geschäft, aber wie Udo Lindenberg schon richtig festgestellt hat: ,,Viel Geld verdient man nur durch einen Lottogewinn, wenn man ein Erfinder ist oder durchtrieben böse.“ Genau. Ich meine, man stelle sich einmal folgendes Szenario vor: Freunde sitzen vergnügt in der Kneipe, lassen so richtig ,,die Sau raus“, es wird natürlich auch getrunken. Zuviel getrunken. Die Stimmung ist ausgelassen, angeheitert möchte man jetzt was total ,,verrücktes“ tun und sieht an der Straße gegenüber das Schild vom Reisebüro. Und die Lady hinter dem Monitor so nett winken.

Und morgens wacht man verkatert zu fünft in einem Hotelzimmer am anderen Ende der Welt auf. Aber eigentlich müsste man seit zwei Stunden im Büro sitzen und Rechnungen schreiben, stattdessen rollt beständig ein türkisfarbener Ozean an die Strandzunge. Die Sonne lacht, es herrscht eine Bullenhitze und man weiß nicht einmal, wo, herrgott nochmal, man ist.
Wer nach einer dunklen Nacht aufwacht und sich in einer völlig fremden Straße einer Stadt wiederfindet – okay, das ist schlimm. Aber in einem fremden Land – das ist… äh. Anders.

Auf jeden Fall gibt es einen guten Grund, weshalb viele Reisebüros sich beinahe hämisch in diesen einschlägigen Vierteln breit machen. Wie man das findet, bleibt jedem selbst überlassen. Ich jedenfalls werde meine Reisen anders gestalten 😉 .

2 comments

  1. Ich habe dieses Thema beruflich gewählt und stelle immer wieder fest, dass sich die Tourismus-Branche leider zu selten emotional präsentiert. Das Produkt ist zwar an sich schon sehr emotional, aber dennoch bringen es selbst Putzmittel auf eine bessere Darstellung als eine Reise. Die Positionierung in „suchtkonsumfreudigen“ Zonen halte ich auch eher für kontraproduktiv. Wer selber schon einmal einen Kater hatte, der weiß, dass man sich des Öfteren für die Entscheidungen des Vorabends grämt…Die Zahlen geben den Büros zwar Recht, aber ich denke die Beschwerdequote dieses Klientels liegt etwas höher als normal. Es sollte eher an dem Büroerlebnis und der Beratungsart- und Kompetenz gefeilt werden, aber das ist ein leidig langes Thema…

  2. Hallo Antonio!

    Danke für deinen Kommentar. Das ist ein interessanter Aspekt, dass die Branche sich zu wenig emotional zeigt. Sollte ich vielleicht mal drüber schreiben 😉 .

    Naja, ich finde halt nur nicht gut, dass man den Trunkenenheitsgrad ausnutzen möchte. Natürlich sitzt das Geld dann locker, aber so ganz fair finde ich das nicht.

    Liebe Grüße